Globalisierung

Davos 2019 ¨C wohin f¨¹hrt der Weg? Exklusiv

29.01.2019


Von Dr. Michael Borchmann, Wiesbaden 

"Globalisierung 4.0: Gestaltung einer globalen Architektur im Zeitalter der vierten industriellen Revolution" ¨C das war das offizielle Leitthema des diesj?hrigen Weltwirtschaftsforums (WEF) in Davos, der nunmehr 49. Auflage.



Wenn ¨¹ber dieses Forum gesprochen wird, gehen meine Gedanken immer wieder zur¨¹ck in das Jahr 2017.  Den nachhaltigen Eindruck gerade dieses 47. Forums. Und es war damals der Auftritt des chinesischen Staatspr?sidenten Xi Jinping, der zu einem erstaunten "Augenreiben" bei vielen in der westlichen Welt f¨¹hrte. Die in Deutschland f¨¹hrende Wirtschaftszeitung Handelsblatt formulierte dies mit den Worten: "W?hrend der m?chtige US-Pr?sident Trump gegen den Freihandel poltert und Unternehmen mit Z?llen droht, pr?sentiert sich sein chinesisches Pendant Xi Jinping als gl¨¹hender Verfechter der Globalisierung." In der Tat wurde damals der breiten Welt?ffentlichkeit bewusst, dass Chinas Staatspr?sident entschiedener Bef¨¹rworter von Freihandel und Globalisierung ist. Aufsehen erregte dann 2018 auch der Auftritt des US-Pr?sidenten Donald Trump. Allerdings ¨C wenn man in die Pressekommentare von 2018 zur¨¹ckschaut ¨C nicht als ein das Gro?e und Ganze im Auge habender politischer F¨¹hrer, sondern als Prediger seiner "America-First-Politik": Er rief vor allem zu Investitionen in den USA auf: "Jetzt ist der beste Zeitpunkt, um Ihr Gesch?ft in die USA zu bringen" Die renommierte deutsche Wochenzeitung Die Zeit schrieb hierzu klar und treffend: "Donald Trump sprach in Davos wie ein Gesch?ftsmann, der sich seiner pr?chtigen Bilanz r¨¹hmt und um Investitionen wirbt, nicht als F¨¹hrer einer Gro?macht mit Weltf¨¹hrungsanspruch. Der internationalen Ordnung, die seine Vorg?nger seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs aufgebaut haben, ob Vereinte Nationen, Welthandelsorganisation, Weltbank, kehrt er schn?de den R¨¹cken."


Dass nunmehr, 2019, bedeutende politische Akteure in Davos fehlten, ist nicht zuletzt ein Zeichen der Unruhe und Instabilit?t weltweit. Pr?sident Trump konnte aufgrund der innenpolitisch bedingten Haushaltssperre nicht reisen, Frankreichs Pr?sident Emmanuel Macron ist von den sogenannten "Gelbwesten-Protesten" voll vereinnahmt und die britische Premierministerin Theresa May hat das schwere Erbe des Brexit umzusetzen.


Nat¨¹rlich war und ist das eingangs genannte Leitthema des 49. WEF von zentraler Bedeutung f¨¹r die Zukunft der Menschheit insgesamt. Es geht um den technologischen Wandel und wie er die Gesellschaft umgestaltet, die gro?en damit verbundenen Herausforderungen. Aber zugleich waren auch Finanzkrise, Handelskriege, Ungleichheit zentrale Themen in Davos. Und gerade die f¨¹r die Zukunft aller so entscheidende wirtschaftliche Stabilit?t ist durch Handelskriege in einem H?chstma? gef?hrdet. In aller Deutlichkeit stellte Pr?sident Xi Jinping bereits 2017 in Davos fest: Handelskonflikte haben nur Verlierer. Und aus manch einem berufenen Munde wurde diese Botschaft nunmehr im Zusammenhang mit dem j¨¹ngsten WEF wiederholt. Das gilt f¨¹r den Ex-Nato-Generalsekret?r Rasmussen ebenso wie Pr?sident Trumps Ex-Kommunikationschef Scaramucci, der in einem Interview mit dem Magazin Spiegel ausf¨¹hrlich erl?uterte, weshalb er Trumps Handelskrieg f¨¹r falsch h?lt. Gleiches gilt f¨¹r die IWF-Chefin Christine Lagarde, die auf einer Pressekonferenz in Davos eindringlich vor den Gefahren eines Handelskonflikts f¨¹r die Weltwirtschaft warnte und das Auditorium bildhaft fragte, was f¨¹r Bedingungen man beim Langlaufski gerne m?ge: gute Sicht, keine Unsicherheit. Au?erdem solle jeder in seiner Bahn bleiben. Das Gleiche lasse sich auch auf die Weltwirtschaft ¨¹bertragen.


Von den herausragenden politischen Protagonisten riefen die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel, Chinas Vizepr?sident Wang Qishan und der japanische Regierungschef Shinzo Abe eindringlich zu Zusammenhalt und gegen Abschottung auf. Und Bundeskanzlerin Merkel warb auch f¨¹r mehr Respekt vor den internationalen Institutionen. Den Ansatz, allen sei geholfen, wenn jeder an sich selbst denke, wies sie zur¨¹ck. Sie warb f¨¹r die geordnete Zusammenarbeit von Staaten in Institutionen und B¨¹ndnissen. Damit wandte sie sich, ohne Donald Trump oder die USA namentlich anzusprechen, klar gegen den amerikanischen Pr?sidenten. Und die Bundeskanzlerin forderte eine Reform, damit das neue Gewicht von L?ndern wie China und Indien sich in solchen Institutionen st?rker widerspiegele.


Dieses Eintreten f¨¹r eine regelbasierte Weltordnung geh?rt zugleich zu den Fundamenten der deutschen Partnerschaft mit der VR China. Und es ist nicht nur Chinas Wirtschaft, die weiter ma?geblicher Motor der weltwirtschaftlichen Entwicklung sein wird, sondern gerade auch seine Reform- und ?ffnungspolitik als deutlicher Beweis, wie ernsthaft es seiner Staatsf¨¹hrung mit dem Bekenntnis zu einer globalisierten Zukunft ist. Dies bekr?ftigte nachdr¨¹cklich dessen stellvertretender Staatspr?sident, Wang Qishan, in Davos mit seiner Rede: "Mit Entschlossenheit und Vertrauen gemeinsam die Zukunft gestalten". Sein Pl?doyer, die geteilte Zukunft des gemeinsamen Schicksals der Menschheit und die globale Struktur der vierten industriellen Revolution gemeinsam zu formen, kn¨¹pft nahtlos an die Rede von Pr?sident Xi im Jahre 2017 an und zeigt den festen Willen Chinas, den eingeschlagenen Weg der Globalisierung unbeirrt von protektionistischen Animosit?ten voranzuschreiten. 

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Quelle: www.joaonorte.com

Schlagworte: Davos,2019,Globalisierung,Weltwirtschaftsforum